1. Die Geschichte des Glockengiessens

GLcke
Steht man beschauend vor Glocken oder hört man ein schönes Geläute, so drängt sich einem unwillkürlich die Frage nach dem Erfinder der Glocken auf. Die Glocken in ihrer heutigen Form haben eine lange Entwicklung durchgemacht. Ihre Erfindung soll auf die Chinesen bis 2500 v. Chr. zurückgehen. Schellen standen um 1500 v. Chr. im Gebrauch und Aristoteles berichtet 330 v. Chr. von kleinen Glöcklein. Plutarch erzählt auch, dass sie um l00 v. Chr. Verwendung fanden, um Käufer zu locken.

Eigentliche Glocken sind erst um 800 n. Chr. nachgewiesen. Um diese Zeit sollen sie den Weg von Italien über Frankreich und England nach Deutschland und der Schweiz genommen haben. Die ersten Glocken waren Eisen- und Blechglocken in Bienenkorbform. Mit ihrer Herstellung wie auch später mit dem Glockenguss beschäftigten sich zuerst Mönche. Um 850 n. Chr. wurden in der Abtei Fulda, ums Jahr 1000 vom Mönch Tancho in St. Gallen Glocken gegossen. Um diese Zeit wurde auch von Papst Johann XIV. die Glockenweihe eingeführt. In der Bibliothek zu Wolfenbüttel liegt eine Handschrift des Mönches Theophil, 1100 n. Chr., über von ihm gegossene Glocken.

Bis ins 13. Jahrhundert blieb das Glockengiesserhandwerk ein Privileg der Klöster. Von da ab entwickelte es sich zu einem freien Beruf. Die Glockengiesser zogen von Ort zu Ort, erbauten da und dort ihren Ofen und gossen Glocken für die nächste Umgebung. Mit der Einführung der Geschütze erwuchs den Glockengiessern ein neues Betätigungsfeld und sie wurden allmählich sesshaft. Mitteldeutschland wurde jahrhundertelanger Sitz berühmter Glockengiesser. Von dort verpflanzte sich um die Wende des 18. Jahrhunderts das Glockengiesserhandwerk auch nach der Schweiz. Der Höhepunkt glockengiesserischen Könnens fällt in das 15. Jahrhundert. Es wurden Meisterglocken.geschaffen von trefflicher Tonfülle, so z.B. eine der musikalisch wertvollsten Glocken: Die Gloriosa im Erfurter Dom, gegossen von Gerhardt de Wou im Jahre 1497. Die Glocken jener Zeit zeichnen sich durch sonoren Klang und Wärme aus, wenn auch die Reinheit der Stimmung, wie sie von Glocken heute verlangt wird, noch zu wünschen übrig liess. Womit wurde diese Wärme und Tonfülle erreicht? Nicht etwa durch die Art der Metallmischung, das Geheimnis liegt vielmehr in der Formgebung der Glocke.

2. Die Glockengiesserei zu Staad 1873 - 1940

Giesserei

In der Glockengiesserei zu Staad wurde nach den Geheimnissen der klassischen Glockengiesserkunst gegossen. Ihnen standen die jahrhundertalten Erfahrungen und Kenntnisse der Glockengiesserei Ulrich in Apolda (Thüringen) zur Verfügung, deren Urkunden und alte Aufzeichnungen bis ins Jahr 1650 zurückreichen und in deren Räumen Friedrich von Schiller die technischen Studien für sein unsterbliches «Lied von der Glocke» gemacht hat. Die von der Glockengiesserei Staad verwendete weltberühmte Ulrichsrippe (Rippe wird der Querschnitt der Glocke genannt) stammt noch aus der klassischen Zeit. Ausser der reinen Stimmung, die gefordert wird, haben die Glocken bei einer vortrefflichen Klangfülle einen samtweichen Ton und sonoren Klang, den wir als einzigartig und konkurrenzlos bezeichnen durften. Keine andere Giesserei konnte sich rühmen, diese reichen Erfahrungen im Glockenguss bis zu den grössten geläuteten Glocken gehabt zu haben.

Anno 1873 goss Jakob Egger beim «Roten Haus» im Buriet-Thal die erste Glocke für die Kirchgemeinde Flums. Da aber der Grund der Glockengrube viel zu weich war, floss das Metall beim Guss aus der Form und so musste Herr Jakob Egger einen andern Ort suchen. In der Folge erwarb sich Herr Jakob Egger im Jahre 1874 die Liegenschaft an der Mühlgasse in Staad, da diese auf Felsen stand und daher für die Gründung einer Glockengiesserei günstig war. Somit musste die Glocke für Flums anno 1874 zum zweiten Mal gegossen werden.

Im Jahre 1921 starb Glockengiesser Jakob Egger und den Betrieb übernahm sein Sohn Wilhelm Egger, Bereits nach 5 Jahren im Jahre 1926 starb auch Wilhelm Egger und die Weiterführung des Betriebes übernahm in der Zwischenzeit bis zum Verkauf an Herrn Fritz Hamm aus Salzburg, Herr Walter Künzler-Egger, Glockengiesse. Während der Zeit von 1927 bis 1934 hatte die Glockengiesserei einen bedeutenden Aufschwung gehabt. Anno 1934 wurde die Glockengiesserei A.G. Staad gegründet, die aber bereits im Jahre 1940 in Konkurs kam.  

3. Die Liste aller Glocken aus Staad


Gussjahr
Kirchgemeinde Anzahl Glocken Gewicht in kg
1874 Flums 1 3800
1877 Altenrhein 2 94
1883 Gähwil SG. 4 2700
1886 Scherzingen TG. 4 2220
1888 Buchen - Thal 4 1234
1890 Wil SG. 4 2908
1891 Gossau SG 2 140
1893 Dielsdorf ZH 4 2908
1893 Au SG 2 524
1894 St. Pelagiberg TG. 4 3076
1896 Buchs SG. 1 450
1898 Rorschach (Jugendkirche) 6 10100
1899 Göschenen UR 4 4295
1899 Erstfeld UR 3 803
1900 Paradisla GR 3 426
1901 Dallenwil NW 3 767
1902 Wald AR 4 6787
1904 Bauma ZH 3 691
1904 Thal SG 5 8332
1906 Weisstannen SG 3 1716
1906 Beringen SH 4 1720
1908 Arosa GR 4 4046
1908 Heerbrugg SG 3 1720
1908 Valchava GR 3 1339
1911 Schiers GR 2 1667
1921 Feldkirch 1 200
1921 Horgen ZH 1 54
1921 Chur 1 168
1922 Taufertswil 2 243
1922 Eriswil BE 1 2250
1922 Knonau ZH 4 4518
1922 Steinmaur ZH 4 3460
1922 Stein am Rhein 4 2486
1922 Gaissau 4 1881
1923 Niederweningen ZH 4 8543
1925 Curaglia GR 4 1060
1925 Gerra GR 4 5200
1927 Ennetmoos 1 920
1927 Glarus 1 175
1927 Rorbach BE 1 2500
1927 Neukirch-Egnach TG 5 11590
1928 Schlatt AI 4 4718
1928 Wislikofen AG 4 2581
1928 Lenzerheide GR 3 645
1929 Töss ZH 4 4996
1929 Raspels GR 4 1128
1929 Lienz SG 4 894
1929 Häggenschwil TG 5 7365
1921 Pfäfers SG 5 8103
1930 Rüthi SG 5 5390
1930 Richterswil ZH 4 5040
1931 Wangen SZ 5 4810
1933 Diepoldsau SG 5 11590
1933 Rorschach (Pfarrkirche) 5 11100
1933 Steinach SG 4 7600
1933 Rheineck 5  
1934 Buchs SG 1 4500
1934 Iddaburg (Toggenburg) 4 1700
1934 Beromünster LU 5 6000
1934 Turbenthal ZH 4 3150
1934 Sennwald SG 4 9000
1934 Sorens VS 4 3250
1934 Wildhaus SG 5 6400
1934 Tontassa VS 4 2550
1934 Espendes VS 3 1980
1935 Engelburg SG 5 4300
1935 Netstal 5  
1935 St. Georgen SG 5 7150
1935 Altendorf 1 4500
1935 Bussnang 3 2600
1935 Pratteln 1 280
1935 Kobelwald SG 2 350
1936 Kirchberg (Toggenburg) 5 11100
1936 Bernhardzell 4 4980
1936 Grabs SG 5 7400
1936 Balgach SG 5 7200
1936 Domdadier VS 3 2750
1936 Berg TG 4 8100
1937 Gähwil 6 7250
1937 Gais AR 4 9200
1937 Bruggen - St. Gallen 6 10600
1938 Winterthur 4 5300
1938 Chur 4 4200
1938 Basel 4 4200
1938 Niederurnen 4 4470
1938 Herisau AR 5 10600
1938 Hallau SH 3 3200
1939 Schaanwald FL 3 1250
1939 Nendeln FL 3 720
1939 Triesenberg FL 5 8700
1939 Hochdorf LU 5 12100
1940 Berneck SG 5 17500